Aufbohrschutz, Ziehschutz, Pickingschutz — was schützt wogegen?
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Auf Produktseiten stehen Begriffe wie Aufbohrschutz, Kernziehschutz und Pickingschutz oft nur als Stichwort. Sie beschreiben drei völlig verschiedene Angriffsarten – und ein Zylinder, der gegen eine davon geschützt ist, kann gegen die anderen offen sein.
Aufbohrschutz
Beim Aufbohren zerstört der Angreifer die Stiftpaare im Inneren des Zylinders. Sind sie weg, lässt sich der Kern frei drehen und die Tür öffnen.
Der Schutz besteht aus gehärteten Stahleinsätzen an den Stellen, an denen der Bohrer ansetzen müsste. Sie sind härter als der Bohrer und lassen ihn abrutschen oder stumpf werden. Manche Systeme setzen zusätzlich frei drehende Elemente ein: Der Bohrer greift, aber das Bauteil dreht sich einfach mit.
Kernziehschutz
Beim Kernziehen wird eine Schraube in den Schlüsselkanal gedreht und der Zylinderkern mit einem Werkzeug herausgerissen.
Ein Kernziehschutz verankert den Kern zusätzlich im Gehäuse, sodass er sich nicht herausziehen lässt. Entscheidend ist dabei aber etwas, das viele übersehen: Wie weit steht der Zylinder aus der Tür heraus?
Ein Zylinder, der außen mehr als etwa drei Millimeter vorsteht, lässt sich mit einer Zange greifen und abbrechen – dann hilft der beste innere Schutz nichts mehr. Die richtige Zylinderlänge ist deshalb keine Frage der Optik, sondern Teil des Schutzes. Dazu haben wir einen eigenen Beitrag.
Pickingschutz
Picking ist das, was man aus Filmen kennt: Mit feinem Werkzeug werden die Stifte einzeln in die richtige Position gebracht. Es hinterlässt keine Spuren – ein Einbruch ohne Aufbruch, was im Schadensfall Ärger mit der Versicherung bedeuten kann.
Der Schutz steckt in der Form der Stifte. Sogenannte Pilz- oder Spulenstifte haben Einschnürungen, die dem Angreifer ein falsches Rückmeldegefühl geben: Es fühlt sich an, als sei ein Stift gesetzt, obwohl er es nicht ist. Gute Systeme kombinieren mehrere Stiftformen.
Und Schlagschlüssel?
Beim sogenannten Schlagschlüssel wird ein präparierter Schlüssel eingeführt und mit einem Schlag alle Stifte gleichzeitig in Position gebracht. Zylinder mit Anti-Schlag-Elementen fangen den Impuls ab, sodass er die Stifte nicht erreicht.
Was das für Ihre Kaufentscheidung heißt
Ein einzelner Schutzmechanismus ist wenig wert. Wer aufbohrsicher kauft, aber der Zylinder steht zwei Zentimeter vor, hat nichts gewonnen. Sinnvoll ist die Kombination:
- Ein Zylinder mit Aufbohr- und Ziehschutz als Grundlage.
- Die passende Länge, damit außen nichts übersteht.
- Ein Schutzbeschlag, der den Zylinder abdeckt und den Zugriff mit Werkzeug verhindert.
Diese drei Punkte zusammen bringen mehr als der teuerste Zylinder allein. Für welche Tür Sie was brauchen, hängt von der Situation ab – Wohnungstür im dritten Stock ist etwas anderes als die Kellertür eines freistehenden Hauses.
Wenn Sie unsicher sind, schreiben Sie uns kurz, um welche Tür es geht. Wir empfehlen Ihnen, was zu Ihrer Situation passt – und sagen auch, wenn das günstigere Modell reicht.